Die Firma als Karrierebremse

Firma als Karrierebremse

Wiener Zeitung Online am 26.02.2013 und Print am 27.02.2013

Wandel in der Unternehmenskultur würde Frauen helfen

Wien. (kt) Die Mehrheit der berufstätigen Frauen in Österreich würde gerne im Job aufsteigen - wenn da nicht verschiedene Hindernisse wären. Das Beratungsunternehmen gdi-consulting hat 149 Frauen befragt, die in der Wirtschaft oder im wirtschaftsnahen Umfeld tätig sind. Das Hauptergebnis: 58 Prozent der Befragten streben generell eine höhere berufliche Position an, entweder bei ihrem aktuellen Arbeitgeber oder bei einem anderen. 

Die zum Karrieresprung bereiten Frauen wurden auch gefragt, was sie bisher daran gehindert hat, sich am Arbeitsplatz zu verbessern. Dabei zeigte sich, dass in Sachen beruflicher Selbstverwirklichung von Frauen Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. "Es gibt nach wie vor große Hinderungsgründe, die einen Aufstieg von Frauen in hohe und höchste Positionen und Ämter boykottieren", erläutern die Autorinnen der Studie, Gerhild Deutinger, Susanne Schwanzer und Gabriele Strodl-Sollak.

Eine dickere Haut zulegen, weniger sensibel sein
56,8 Prozent der Frauen geben an, dass firmeninterne Strukturen und Schranken ihre Karrierepläne hemmen. Entweder lässt die Art der beruflichen Einstufung als Expertin einen Aufstieg nicht zu oder adäquate Positionen sind im Unternehmen nicht vorhanden. "Oft werden die freien Stellen im Unternehmen nicht ausgeschrieben", sagt Strodl-Sollak im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Acht Prozent der befragten Frauen wurden bei einer Stellenvergabe bereits übergangen.

Manchmal liegt es auch an den Frauen selbst. "Jede fünfte Frau hindert sich selbst in einem raschen Karriereaufstieg", so die Studienautorinnen. Sie bekamen Antworten wie: "Es war noch nicht die passende Zeit für einen Aufstieg", "Ich habe einen tollen Job, warum den aufgeben" oder "Ich habe es mir (noch) nicht zugetraut."

Deutinger, Schwanzer und Strodl-Stollak können hier Abhilfe schaffen. In Workshops werden individuelle Stärken eruiert, die im Berufsleben gezielt eingesetzt werden können. "Die Frauen müssen sich eine dickere Haut zulegen und dürfen auf heikle Themen nicht sensibel reagieren", rät Strodl-Stollak.

Nicht zuletzt sind es familiäre Gründe, warum es mit dem gewünschten beruflichen Aufstieg noch nicht geklappt hat. Die Versorgung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, noch kein abgeschlossenes Studium: Jede fünfte Frau nennt einen dieser Faktoren als "Aufstiegsverhinderungsgrund". Laut Beraterin Strodl-Stollak ist der Studienabschluss allerdings nicht immer eine Voraussetzung, um auf der Karriereleiter nach oben klettern zu können. Beim schwedischen Möbelhändler Ikea etwa können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ohne Studium zur Führungskraft entwickeln.

Nicht neu ist, was sich Frauen, die im Berufsleben stehen, von ihren Firmen und von der Gesellschaft wünschen, um Beruf und Familie/Partnerschaft/Freizeit unter einen Hut zu bekommen: An erster Stelle steht der Appell nach einer Änderung der Unternehmenskultur.

Wunsch nach Änderung der Unternehmenskultur
Die Unterstützung, die in den Firmen oder von Beratern angeboten wird, helfe allesamt nichts, wenn sich im Betrieb das Klima nicht zugunsten von Frauen in Top-Positionen ändere, oder wenn der Aufstieg von Frauen argwöhnisch betrachtet werde, heißt es. Daher wünschten sich Frauen zunächst eine gesunde starke Basis, ein Stimmungsklima beziehungsweise eine Unternehmenskultur, in der sie wachsen können.

Die Mehrheit der Befragten (56,4 Prozent) gehört dem mittleren Management an, 11,4 Prozent kommen aus dem Topmanagement, 26,2 Prozent haben keine Leitungsfunktion inne, und 5,4 Prozent sind selbständig tätig. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen liegt bei 29,6 Jahren. Die jüngste Teilnehmerin ist 23 Jahre, die älteste 57 Jahre.

 

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