Große Zustimmung zur Frauenquote

Vier von fünf Frauen in Österreich sind für dei Einführung einer Frauenquote, sehen aber für sich persönlich wenig Vorteile darin

Vier von fünf Frauen in Österreich sind für die Einführung einer Frauenquote, sehen aber für sich persönlich wenig Vorteile darin

Online Umfrage unter 149 berufstätigen Frauen in Österreich von gdi-consulting, Beratungsgruppe für Gender, Diversity und Inclusion – 82,3% aller Frauen sind für die Einführung einer Frauenquote – nur jede Zehnte glaubt, dass sie persönlich einen Vorteil hätte – Frauen wünschen sich eine Haltungsänderung firmenintern und in der Gesellschaft

Die große Zustimmung zur Einführung einer Frauenquote überrascht selbst die Studienautorinnen: 44,0% aller berufstätigen Frauen in Österreich sind intensive Befürworterinnen einer Frauenquote, 38,3% sind eher dafür. Das ist eine grundsätzlich positive Haltung von 82,3%. Dem stehen 17,8% mit ablehnender Haltung gegenüber: 13,5% sind eher gegen die Einführung einer Quote, 4,3% sind sehr dagegen.

Zu den größten Befürworterinnen einer Frauenquote zählen die selbständig Tätigen (50% sehr dafür), gefolgt von den Frauen im mittleren Management (47,5% sehr dafür). Im oberen Management sind 40% sehr für die Einführung einer Quote bei den Frauen ohne Leitungsfunktion sind es 37,8%.

Die größten Gegnerinnen findet eine Frauenquote beim obersten Management, das sind Geschäftsführerinnen und Vorständinnen; hier sind 13,3% sehr dagegen. Gefolgt von den Frauen ohne Leitungsfunktion mit 8,1%. Sehr gering ist die deutlich ablehnende Haltung im mittleren Management (1,3%); bei Selbstständigen gibt es keine Gegnerinnen.

Auch wenn die Zustimmung zur Einführung einer Frauenquote beträchtlich ist, Frauen sind skeptisch, ob eine Quote ihnen Vorteile brächte. Nur eine von zehn Frauen glaubt, dass eine Quote ihr in ihrem beruflichen Aufstieg voranbringen wird, während jede Vierte das mit einem kategorischen Nein – kein persönlicher Vorteil für mich, beantwortet. „Diese Skepsis gegenüber der Wirksamkeit einer Frauenquote kann zwei Gründe haben“, so die Studienautorinnen Gerhild Deutinger, Susanne Schwanzer und Gabriele Strodl-Sollak. „Zum einen ist die Einführung einer Frauenquote ein Instrument, das mittel- bis langfristig Wirkung zeigt. Für Frauen, die jetzt aufsteigen wollen, ist es damit zeitlich unrealistisch. Zum zweiten ist es für viele ein Stigmata, eine Quotenfrau zu sein. Es besteht nach wie vor das Vorurteil, die Quote würde unqualifizierte Frauen in höhere Positionen hieven. Der Terminus Frauenquote bräuchte ein neues Image, um als wirkungsvoll geschätzt zu werden.“       

Frauenförderung ist, wenn sich die Haltung ändert

Wenn sich Frauen Instrumente zur persönlichen beruflichen Förderung wünschen dürften, dann steht ganz oben der Appell nach einer Änderung der Unternehmenskultur. Die einzelnen Maßnahmen, die in den Firmen angeboten werden, werden grundsätzlich unterstützend wahrgenommen. Doch sie helfen allesamt nichts, wenn sich im Betrieb das Klima nicht zugunsten von Frauen in Top-Positionen ändert oder wenn der Aufstieg von Frauen argwöhnisch betrachtet wird. Daher wünschen sich Frauen zunächst eine gesunde starke Basis, ein Stimmungsklima bzw. eine Unternehmenskultur, in der sie wachsen können. Firmeninterne Kinderbetreuungseinrichtungen stehen bei den befragten Frauen ebenfalls hoch oben auf der Wunschliste. Platz drei der Unterstützsmethoden nehmen Teilzeitarbeits- und vor allem Teilzeitführungsmodelle ein.

„Nur wenn innerhalb eines entsprechenden Firmenklimas die passende Unterstützung angeboten wird – wie Kinderbetreuung, Potenzialentwicklungsprogramme oder Mentoring – dann kann von wirksamer betrieblicher Frauenförderung gesprochen werden“, so die Studienautorinnen.

Außerhalb des Unternehmens wünschen sich Frauen eine wirkliche Unterstützung durch ein neues gesellschaftliches Selbstverständnis. Das impliziert den Aufruf für die Arbeit an einem anderen, positiven Bild erfolgreicher Frauen. Väter, die in Karenz gehen oder Pflegeurlaub beantragen, tragen dazu bei, das betriebsinterne und gesellschaftliche Selbstverständnis neu zu formen. Frauen fordern hingegen wenige neue Rahmenbedingungen – am ehesten Änderungen im Bereich der Schule. Stichwort kürzere Sommerferien, adäquate Schulformen und (qualitativ gute) Nachmittagsbetreuungen.

Über die Studienautorinnen und das Studiendesign

gdi-consulting ist ein Zusammenschluss von Expertinnen für Gender, Diversity und Inclusion. Gegründet 2012 von Gerhild Deutinger, Susanne Schwanzer und Gabriele Strodl-Sollak, um Unternehmen zu begleiten und zu beraten, die in der größeren Vielfalt von Teams und Management einen entscheidenden Faktor sehen, den Unternehmenserfolg zu sichern und zu steigern.

Die online Befragung führte gdi-consulting zwischen 7. Jänner und 3. Februar 2013 durch. 149 Frauen nahmen daran teil, wovon jede Zehnte aus Kleinstunternehmen mit bis zu zehn MitarbeiterInnen kommt und jede Fünfte aus einem KMU zwischen elf und hundert MitarbeiterInnen; ein Drittel der Befragten arbeitet bei Unternehmen von 101 bis eintausend MitarbeiterInnen und ein weiteres Drittel bei Firmen mit über eintausend MitarbeiterInnen.

26,2 % der befragten Frauen haben (noch) keine Leitungsfunktion, 56,4% gehören dem mittleren Management an, 11,4% sind aus dem Top-Management und 5,4% selbständig Tätige.

 

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