Was tun, wenn es in der Firma kracht

Broschüren und Zeitungsartikel über Integration
Gabriele Strodl-Sollak

Neulich rief mich ein befreundeter Trainer an. Sein Anliegen: In einer Ausbildung zur Konfliktmoderation waren TeilnehmerInnen ratlos, wie mit interkulturellen Konflikten im Unternehmen konstruktiv umgehen?

Die gesellschaftliche Debatte über Integration, Parallelgesellschaften  und Extremismus schlägt ja auch hohe Wellen. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie Sie in  Ihrem Unternehmen ein freiwilliges Miteinander fördern können und interkulturelle Konfliktsituationen besser verstehen und moderieren.

Ein wesentlicher Konfliktgrund ist das Nicht-Verstehen und meist die Unkenntnis des prinzipiell Anderen. Also Ältere verstehen die Jüngeren nicht - und umgekehrt. Frauen verstehen die Männer nicht - und umgekehrt. Religiöse Menschen die Säkularen - und umgekehrt.

Abgesehen davon, dass die eben genannten Gruppen ja jetzt nur homogen konstruiert wurden und es "Die Jungen", "Die Alten", "Die Männer", "Die Frauen" usw. ja gar nicht gibt, sondern eine breite Varianz innerhalb der Gruppen auffällt, wenn wir ein wenig genauer schauen.

Genauso verhält es sich auch mit ZuwanderInnen. Sie haben verschiedene Herkünfte, Biographien, religiöses Verständnis, Rollenbilder von Männern und Frauen, Buben und Mädchen. Eine ziemlich inhomogene Gruppe sind "Die MigrantInnen" oder in letzter Zeit auch oft undifferenziert gleichgesetzt "Die Muslime".

Deshalb lautet der grundlegende Tipp: Setzen Sie alles daran, mit dem Fremden und Unbekannten bekannt zu werden.  

 

  • Tipp 1: Informationen beschaffen

Auf einer sachlichen Ebene können Sie viele Fakten herausfinden. Wie war die Geschichte der GastarbeiterInnen in Österreich? Wie leben und arbeiten die ZuwanderInnen in ihrer neuen Heimat? Wie sind sie sozioökonomisch verwurzelt? Wie viele Menschen sind überhaupt nach Österreich zugewandert bzw. Wie viele auch wieder ausgewandert? Sie finden sehr detaillierte Fakten unter anderem hier: http://www.integrationsfonds.at

 

  • Tipp 2: Suchen Sie die persönliche Begegnung

 Für viele Menschen ist es eine große Herausforderung die eigene Komfortzone zu verlassen und den Small-Talk und das Gespräch mit Menschen gezielt zu suchen, die ihnen Fremd oder Anders erscheinen.  Wenn Sie ein Gespräch initiieren, plaudern Sie doch mal über ganz harmlose Themen. Übers Kochen, die Kinder, Freizeit, Neues aus der Firma ... suchen Sie, wie bei jedem Small-Talk die Gemeinsamkeiten, etwas das Sie irgendwie verbinden könnte. Lassen Sie vorerst alle Themen beiseite, die problematisch sein könnten. (Kopftuch, Extremismus, Charlie Hebdo,  ...).

 

  • Tipp 3: Wählen Sie Ihre GesprächspartnerInnen bewusst aus

Für den Beginn ist es einfacher, zuerst nicht mit der Konfliktperson das Gespräch zu suchen, sondern mit jemanden im Umfeld, also aus der selben Community. Das gibt Ihnen mehr Freiheit und damit auch Sicherheit. Haben Sie beiderseitiges Vertrauen gewonnen, können Sie auch um eine weitere Perspektive und Interpretation bitten, indem Sie - je nach Situation - Ihre Fragezeichen formulieren.

 

  • Tipp 4: Gesprächsbegleitung

Wenn es zum Gespräch mit der Konfliktperson und meist ihrer Familie kommt, überlegen Sie, ob Sie eine neutrale Person hinzuziehen können, die von der Konfliktperson akzeptiert oder sogar geschätzt wird. Fein ist natürlich, die moderierende Person kennt ein paar Mediations-Methoden. Manchmal reicht aber auch, dass die Konfliktperson das Signal bekommt, da ist jemand zu deiner Stärkung, es geht nicht um einen Kampf, sondern um eine Lösung für ein besseres Miteinander. Du darfst die Person auch vorschlagen.

In sehr patriarchalisch agierenden Familiensystemen haben Männer meist einen Akzeptanzvorteil. Oder Menschen, die aus der "anderen" Community kommen oder einen Zugang zu dieser haben. Es geht um Vertrauen. Auch die vielleicht spröden, kantigen Konfliktpersonen fragen sich: Kann ich vertrauen? Werde ich mit meinen Werten anerkannt oder über den Tisch gezogen?

Alles was zum Verständnis beiträgt,  weshalb etwas unbedingt sein muss oder keinesfalls sein darf, ist hilfreich. Auch der Ort an dem das Gespräch stattfindet, ist ein wichtiges Signal. Das Chefbüro signalisiert Rapport , Strenge, Über- und Unterordnung. Die Parkbank im Innenhof oder die Café-Ecke lassen mehr (Interpretations-)Raum zu.

 

  • Tipp 5: Zeitfaktor

Manche Entscheidungen müssen rasch getroffen werden. Meist haben wir aber mehr Zeit, als wir uns und den Anderen zugestehen. Es kann auch ein Gesprächsziel sein, Positionen besser kennen zu lernen und in einem weiteren Gespräch erst nach Lösungen zu suchen.

 

  • Tipp 6: Literaturtipps

Gebe ich Ihnen gerne zu spezifischen Fragen. Sie können mich einfach anrufen oder eine Mail schreiben.

Und nun: Gutes Gelinges. Ich freue mich, wenn Sie mir rückmelden, ob es geklappt hat.

 

 

 

Kontakt






* Felder mit Sternchen sind Pflichtangaben.