Mit Storytelling ganz nach oben

„Wenn Widerstände auftreten, die sich ihnen speziell als Frauen stellen: Dagegen kämpfen oder die Energie an anderer Stelle nützen?“, ist eine der Fragen von Chefredakteur Stephan Strzyzowski vom Magazin Die Wirtschaft im Interview. Das ganz Interview lesen Sie hier - oder gleich eine zentraler Auszug im Folgenden:

Beide Taktiken haben etwas für sich. Unlängst erzählte mir im Coaching eine Enddreißigerin, die ihre erste Führungsfunktion in einem Team von 10 Mitarbeiter*innen übernommen hatte, dass einer ihrer Mitarbeiter sie während der ersten Besprechung mit anderen Abteilungen richtiggehend desavouiert hatte. In diesem Fall muss sie reagieren. Am besten gleich nach der Sitzung den Mitarbeiter zu sich zitieren und sehr ruhig, kurz und klar sagen: „Moritz, das Verhalten heute hat mir nicht gefallen. Das machst du nicht nochmals. Du kannst jetzt gehen.“

Dann wendet sie sich ab und gibt keine weiteren Erklärungen. Benimmt er sich während der nächsten Sitzung durchaus querdenkend aber loyal, bestätigt sie sein Verhalten durch Lob – auch Lob aussprechen zeigt, wer hier den Machtanspruch stellt.

Dieselbe Führungskraft hat bei einer Konferenz, zu der schriftlicher eingeladen wurde, die Moderationsrolle zugeschoben bekommen, während die ausschließlich männlichen Kollegen auf derselben Management-Ebene zu Kurzvorträgen eingeladen waren. Alles schriftlich. Jeder hat den Statusunterschied gesehen. In dieser Situation lohnt es sich nicht, um einen Kurzvortrag zu kämpfen. Sie kann jedoch die Moderationsrolle neu interpretieren.

Sie braucht ja nicht nur lächelnd von einem Beitrag zum nächsten weiterführen, sondern kann in ihrer Rolle die Einzelbeiträge kommentieren, interpretieren, in Relation zueinander stellen, sie hinterfragen und weitere Fragen aufwerfen, sich ganz schön viel Moderationszeit nehmen und ein Framing fürs Publikum geben. Sie hat die Deutungshoheit und kann diese Rolle machtvoll gestalten und ihre Inhalte in die Moderation hineinpacken.

Ein paar Tage später strahlte sie mich an, weil sie mit der neu interpretierten Moderationsrolle tatsächlich sehr erfolgreich war.

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