3:1 - Zurück ins Büro

Bei einer der ersten Face-to-Face Gespräche mit einer Freundin im Garten meinte sie: „So toll ist der Gedanke gar nicht, wieder physische Jour-Fixes mit unserem Bereichsleiter zu haben. Er sucht immer das Haar in der Suppe und verbreitet negative Energie, auch wenn wir Positives zu berichten haben.“

Oft ist es eine blöde Gewohnheit schnell einmal zu nörgeln. Oft steckt sogar die Intention dahinter, anzuspornen und besser zu performen, indem man am Mangelhaften herummeckert. Manches rutscht auch unbedacht heraus. Doch um eine hohe Team-Performance zu bewirken ist der Faktor 3:1 wichtig, die sogenannte Losada-Rate. Was hat es damit auf sich?

3:1 oder der Effekt der Losada-Rate

Die amerikanische Psychologin Barbara L. Fredrickson (University of Michigan) und der brasilianische Unternehmensberater Marcial F. Losada wiesen in einer vielbeachteten Studie[1] den Zusammenhang nach zwischen der Performance eines Teams und der Sprache, die im Team üblich ist.

In „High-Performer“-Teams ist das Verhältnis von positiven zu negativen Aussagen besser als 2,9:1. In dieser Studie wurden Team-Meetings in 60 Unternehmen transkribiert, jeder einzelne Satz wurde nach positiven und negativen Äußerungen kodiert und in ein Verhältnis gesetzt.

Wie setzten Sie positive Akzente?

Mit positiven Statements eröffnen …
„Wie gut, dass wir heute wieder ein Präsenz-Meeting haben können. Ich bin froh, euch alle gesund wiederzusehen!“

„Es ist einfach fein, wenn ich unseren Meetingraum betrete und gleich eure fröhlichen Stimmen höre (und merke, wie ihr euch gut versteht/ und sehe, dass ihr schon im Austausch seid …)“

Selbst etwas Positives aus dem Alltag erzählen …
„Ich habe gestern etwas Nettes erlebt und wollte euch das erzählen – gestern hat mich auf LinkedIn eine frühere Bekannte kontaktiert, wir hatten uns aus den Augen verloren – und der Dialog danach war einfach köstlich und lustig.“

„Wir haben letztens auf das erste Radio-Interview unserer Nachbarin angestoßen und weil Ihr Mann so stolz auf sie war, hat er ihr tags darauf einen riesigen Blumenstrauß nachhause gebracht – und weil ich beim Feiern dabei war, hat er mir auch gleich einen mitgebracht.“

… und fortsetzend die Runde zu weiteren positiven, lustigen und schönen Alltagsgeschichten ermuntern:
„Ich merke, es passiert so viel Schönes im Alltag. Was habt ihr denn so erlebt? Was tut sich denn bei euch Schönes im Alltag?“ Wenn nichts kommt: „Wisst ihr was, ich frage das beim nächsten Meeting einfach nochmal – vielleicht war das jetzt ein wenig plötzlich …“

Positive geframte Zusammenfassungen und wertschätzende Moderation
„Danke Sarah, ich sehe du hast ganz schön viel für dieses Projekt recherchiert und für uns aufbereitet. Brauchst du noch etwas von der Runde um weiterzumachen, oder können wir zum nächsten Agendapunkt weitergehen?“
In diesem Beispiel liegt Wertschätzung für die Arbeit von Sarah „du hast ganz schön viel recherchiert und für uns aufbereitet“, es nimmt auch die Beziehungseben mit hinein „für uns aufbereitet“, Sarah wird als wichtiges Teammitglied angesprochen.

„Philipp, du bist ja am y-Projekt dran. Das war wahrscheinlich unter den gegebenen Umständen eine Challenge, es weiter voranzutreiben. Gib uns bitte mal ein Update, wie es seit dem letzten Mal weitergegangen ist.“
In diesem Beispiel ist eine Würdigung dabei, dass die Umstände schwierig sind, dennoch wird vertrauensvoll angenommen, dass etwas „weitergegangen ist“, das impliziert, dass Philipp zwischenzeitlich ganz schön engagiert war.

Positive Verabschiedung und Ausblick
Anfang und Ende von Präsentationen und Meetings sind besonders kraftvolle Anker. Klug ist, wer diese für eine positive Dynamik nutzt. Es ist ein wohlwollendes Innehalten und Benennen dessen, was schon da ist, bevor das ganze Team weiterhetzt in nie enden wollende Arbeitsmengen.

„Puh, das war ganz schön viel heute. Danke für Eure Konzentration und das Feedback – besonders zu Punk 1. Damit haben wir vorerst wohl mehr zu tun, aber dieses Tool wird dadurch qualitativ deutlich besser. Also, dann wünsche ich euch weiterhin viel Energie – wer noch etwas von mir braucht, meldet euch einfach. Wir sehen einander dann am/um, bin schon gespannt, was es dann Neues gibt.“

Mehrheitlich negative Statements führen zu Low-Performance

Wer genau wissen will, was Losada/Frederickson zu negativen Äußerungen zählen – hier ist der Vollständigkeit halber die Ergänzung. Wahrscheinlich könnten Sie auch aus eigener Erfahrung aufzählen, wie destruktives Kommunikationsverhalten aussieht. Es beginnt nonverbal mit geringschätzigen Blicken und den entsprechenden Kommentaren dazu. Lustig gemeint sind oft zynische und sarkastische Bemerkungen – die sollen auch noch die Intelligenz des Sprechendenden zum Ausdruck bringen und damit das Statusgefälle. Oder jemandes Meinung ignorieren, aggressive Kritik, nörgelndes Hinterfragen … das ist aber etwas anderes als konstruktive, wertschätzende Kritik, bei der auch gut zugehört wird.

Gibt es ein zu viel an wertschätzender Kommunikation?

Für alle, die vor Übertreibungen zurückschrecken: Sie haben recht. Eine Losada-Rate über 10:1 bewirkt das Gegenteil. Wir finden empfinden es als unglaubwürdig. Die meisten werden aber ohnehin nicht in diese Sphären kommen und haben noch Potenzial nach oben.

Active constructive responding

Martin Seligmann stellt eine Übung vor, wie wir diese blöde Angewohnheit des Herumnörgelns in ein konstruktives Kommunikationsverhalten transformieren können. Er meint so treffend: „ Bit it does not come naturally to most of us, and we need to practice it with diligence until it becomes a habit.” Diese Übung stelle ich in Kürze vor. Wenn Sie keinen Artikel verpassen wollen, dann abonnieren Sie unseren Newsletter am rechten Seitenrand.

[1] Frederickson, Barbara; Losada, Marcial (2005): Positive Affect and Complex Dynamics of Human Flourishing in American Psychologist http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.911.2168&rep=rep1&type=pdf

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